Zum Henker

Martin Schörle

Kein Versteck in Sicht, kein Baum, kein Strauch, der in Sekunden erreichbar wäre. Verflixtes Handy, sei still! Die Tür flog auf. Jens ließ es vor Schreck fallen und sprang mit wenigen Sätzen, die jedem Dreispringer zur Ehre gereicht hätten, an die Stirnseite des Hauses. Einer der Männer stand jetzt mit Taschenlampe und Gewehr im Anschlag draußen, hielt es hektisch und misstrauisch blickend in alle Himmelsrichtungen. Jetzt sah er das Handy, hob es auf und verschwand wieder im Haus.

»Irgendein Idiot hat sein Handy verloren«, hörte er von drinnen.

Und die andere Stimme: »Hier in der Pampa? Hierher kann man sich gar nicht verirren!«

Jens spurtete ein paar Meter vom Haus weg und warf sich auf den Boden. Schon standen die Männer in der Tür und redeten aufgeregt durcheinander. Seine dunklen Klamotten waren jetzt von Vorteil, finden würden sie ihn dennoch. Jens blickte an seinem Körper entlang nach hinten. Im Mondschein glitzerte etwas, das eine Art Plastikplane sein könnte. Tatsächlich! Um Geräusche zu vermeiden, wickelte er sich wie in Zeitlupe darin ein. Dann schloss er die Augen und atmete durch die Nase ein und durch den Mund aus, wie er es beim autogenen Training gelernt hatte.

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