Wolfsmann

Theo Brohmer

Sein Hunger auf Fleisch war erwacht. Dieser Drang füllte sein ganzes Denken aus. Es hielt ihn nichts in seiner Wohnung. Er musste raus!
Mit fetter Musik auf den Ohren joggte er los. Es dämmerte bereits. Sein Weg führte ihn durch den Tierpark Olderdissen.
In einiger Entfernung flackerte das Licht von Taschenlampen.
Undeutlich nahm der Mann eine Gruppe Leute vor dem Wolfsgehege wahr. Offenbar wurden die Wölfe gerade gefüttert.
Bei dem Gedanken lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Sein Appetit auf Fleisch gab das Tempo an. Er beschleunigte.
Seine Wohnung lag zehn Minuten entfernt. Eine große Tüte Steaks lag im Kühlschrank. Zu Hause würde er sich zwei Stücke Fleisch braten. English. Ohne Beilagen. In diesen Novembertagen verlangte es ihm nach purem Eiweiß.
Plötzlich prickelte ein Duft in seiner Nase. Konnte er etwa das Fleisch für die Wölfe riechen? Das müsste Einbildung sein.
Der Mann legte noch mehr Tempo zu. Sein knurrender Magen machte ihm Beine.
Als er auf der Höhe der Umzäunung war, drehte er plötzlich ab. Er krallte die Finger in den Maschendraht und kletterte behände den Zaun empor. Ohne zu zögern, sprang er anschließend in das Wolfsgehege hinunter.


Die Neue Westfälische gehörte zu Veit Vincens Frühstück wie sein Tee und das Müsli. Die reißerische Schlagzeile titelte:
Wolfsmann erneut gesichtet. Während Fütterung erbeutet Mann Fleisch aus Wolfsgehege in Olderdissen. Ein Unbekannter drang gestern in das Gehege ein. Er kämpfte mit den Tieren, die zwar an Menschen gewöhnt, aber nicht gezähmt sind. Er stahl Fleisch und flüchtete.
Weiter berichtete der Artikel von der letzten Sichtung des Wolfsmanns in Jahr 1982. Damals gab es zahlreiche Beobachtungen eines fellbekleideten Mann, der Schafe in Hillegossen tötete und Teile des Fleisches roh an Ort und Stelle verspeiste…

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