Richtig gutes Zeug

Sabine Meerle Gröne

„Der Junge gefällt mir nicht. So nervös und blass, das ist nicht seine Art. Seit neulich nach seinem Unfall mit dem Rad ist er so. Aber der war doch gar nicht so schlimm, oder?“ Torges Mutter Rita steht mit Opa Hansen auf dem Hofplatz und runzelt besorgt die Stirn.
„Villicht dat Studiern?“
„Die Klausuren hat er hinter sich und gut abgeschnitten. Irgendetwas scheint ihn zu bedrücken.“
In dem Moment schießt ein gelber Blitz auf den Hof. Der Kies spritzt.
„Knud allwedder! Kunnst du nifohrn wie annereLütouk?“ ruft Opa dem Postboten zu, der in Cimbernrallye-Manier zum Stehen kommt.
„Dat geihtni. Ickmuttöven!“
„Egal, wofür du üben musst Knud, nicht auf unserem Hofplatz!“ ermahnt ihn Rita streng. Knud grinst frech und schüttelt seine Rastalocken. Aber für seine koketten Anflüge hat Rita gerade keinen Sinn, sie will von ihm wissen, was mit ihrem Sohn los ist. Schließlich ist er Torges bester Freund.
„Weißt du vielleicht, ob irgendetwas mit Torge nicht stimmt? Der ist so komisch in den letzten Tagen.“
„Stimmt, am Samstag wollte er noch nicht mal meine neue Ernte probieren. Das ist richtig gutes Zeug. Hat mich auch gewundert.“ Er reicht Rita die Post.
„Knud! Du sollst ihn mit deinen Drogen in Ruhe lassen. Das sag ich dir nicht zum ersten Mal.“
„Ja, ja, ich denk dran, nun muss ich aber weiter. Tschüß!“
„Ja, ja. Dat heet: Leck mi an Mors“ brummelt Opa Hansen und verschwindet im Stall. Rita schaut kopfschüttelnd die Briefe in ihrer Hand durch und geht zum Haus hinüber.
„Ich glaub ich weiß was mit Torge ist. Der schaut in letzter Zeit echt wie ´ne Kuh wenn´s donnert.“ Karlchen, der kleine orangeweiß geringelte Kater mit dem Puschelschwanz kichert vergnügt.

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