Luderplatz

Eckard Klages

Stille und Dunkelheit umgaben ihn auf dem langen Weg durch das Fintlandsmoor. Es dämmerte langsam, die Sonne war noch nicht zu sehen. Vogelstimmen drangen von allen Seiten an sein Ohr.
Er erschrak, als ein Reh direkt vor ihm aufsprang und sich in die Büsche schlug. So schnell hätte er sein Jagdgewehr nicht von der Schulter bekommen, um hier einen sicheren Schuss abzusetzen.
Er mochte es nicht, wenn Tiere leiden mussten, lieber verzichtete er auf einen Treffer. Er liebte die Bewohner des Waldes, aber sie vermehrten sich unkontrolliert und schädigten damit ihren eigenen Lebensbereich. Deshalb sah er es als seine Pflicht an, regulierend einzugreifen.
Die Schonzeiten waren jedem Jäger bekannt, keiner erschoss eine Ricke oder eine Sau, solange die Jungtiere klein waren. Robert hatte immer ein seltsames Gefühl, wenn er so früh am Morgen durch das Moor lief. Auch wenn es für einen Jäger die beste Tageszeit war und er sich dann allein wähnte.
Er bog jetzt nach links vom Weg ab und erschrak. Kleine Moorlichter tanzten, bis zu dem von ihm vor längerer Zeit angelegten Luderplatz. Er verharrte auf dem Moorpadd und beobachtete, was im Moor geschah.
Der Sage nach hatte eine Magd im „Rasteder Busch“ ihr frischgeborenes Kind vergraben. Seither tanzten die Moorlichter um den im Moor vergrabenen Leichnam. Im Fintlandsmoor gab es ebenfalls solche Stellen, auch wenn niemand wusste, wann und ob dort je ein Mensch vergraben worden war. Er ließ sich Zeit, bis die Lichter nicht mehr vor seinen Augen tanzten, näherte sich seinem Luderplatz und durchsuchte ihn.
Robert fand keine Reste seines letzten Besuches mehr, griff sich seinen Klappspaten, schaufelte ein wenig Erde beiseite und holte aus seinem Rucksack nicht zum Verzehr geeignete Reste eines Rehkitzes, das er zwei Tage zuvor an einem anderen Ort geschossen hatte.

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