Das Böse kennt keine Grenzen

teilweise tödlich - Band 4

Book Cover: Das Böse kennt keine Grenzen

Sie haben es wieder getan. Bereits zum vierten Mal erzählen Mitglieder der "AutorenGruppe Tödlich" (AGT) kurze, spannende Krimis. Sie werden in ausgesuchte Regionen entführt und erkennen: Das Böse lauert überall! Auf Burgen ebenso wie an Seen, im Wald oder am Rhein, ja selbst im Museum. Sie werden einen Botanischen Garten nie wieder unbefangen betreten können, und auch keine Altstadtvilla mehr betrachten, ohne an diese Geschichten zu denken. Natürlich enden auch die Erzählungen in Band 4 nur 'teilweise tödlich'.

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Publisher: Fehnland-Verlag
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Schlaflos

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Es war eine sternenklare Nacht. Das Licht des vollen Mondes ließ die eisige Luft glitzern und erhellte selbst den Boden des kahlen Waldes.
Dennis drängte sich dichter an den Felsen, in dessen Schatten er sich versteckte. Fluchend rieb er sich die Hände, um Wärme in seine Finger zu bringen. Er hasste den Winter. Eigentlich hätte er längst in der Südsee sein sollen. Dort hätte er jetzt einen Cocktail schlürfen und den hübschen Mädchen beim Baden zusehen können.
Doch sein unfähiger Bruder hatte mal wieder alles verdorben. Wie konnte man nur so dumm sein und die Alarmanlage auslösen? Dabei hatte der Idiot die Beute schon in den Händen gehalten.
Kopfschüttelnd sah er zu Stefan, der nervös von einem Fuß auf den anderen tänzelte. Nein, sein Bruder war sicherlich nicht die beste Wahl, wenn man nach einem Komplizen suchte, doch es gab keine andere Möglichkeit. So schnell war niemand aufzutreiben, der besser war - und dem er vertrauen konnte. Er musste das hier also mit ihm durchziehen.
Zum Glück hatte er erfahren, wo leichte Beute zu machen war. Reichtümer waren hier zwar nicht zu erwarten, aber wenn er es clever anstellte, würde er bald genug zusammen haben, um das Ticket in die Südsee zu lösen - ohne seinen Bruder natürlich. Es sollte ja schließlich Urlaub werden.
Bei dieser Vorstellung konnte sich Dennis ein Grinsen nicht verkneifen. Vorsichtig lugte er aus seinem Versteck zum Torhaus. Wie versprochen war die Tür nicht verschlossen. Sie mussten nur noch warten, bis der Nachtwächter seine Runde beendete. »Halt dich bereit!«, raunte er Stefan zu.

Anna erschrak. Hatte sie gerade ein Geräusch gehört? Nachts war es hier zwar nie wirklich still, schon allein wegen der schlurfenden Schritte des Wachmanns, doch irgendetwas hatte ihre Aufmerksamkeit geweckt.
Unsicher sah sie sich um: Die Wände ihres Zimmers, vertraut und kalt; das regelmäßige Muster auf dem Boden, der vom Mondlicht erhellt wurde - alles schien wie immer zu sein.
Seufzend erhob sie sich. An Schlaf war nicht mehr zu denken. In ihrem Alter schlief man nicht so leicht wieder ein, wenn die Ruhe gestört wurde. Vielleicht würde ihr ein Spaziergang über den Hof guttun. Bewegung und frische Luft hatte ihr der Arzt jedenfalls empfohlen.
Sie streckte die alten Glieder, schlüpfte in ihren Mantel und trat dann nach draußen. Einen Moment hielt sie inne und lauschte. Doch außer dem Wind, der um die Türme strich, war nichts zu hören.
Anna zuckte mit den Schultern und setzte sich in Bewegung. Im Mondlicht waren die Umrisse der Burg gut zu erkennen. Wie sehr sie diese alten Mauern hasste. Doch August hatte darauf bestanden, herzuziehen. Auch wenn sie ihn in früheren Zeiten mühelos hatte um den Finger wickeln können - in dieser Sache war er unerbittlich gewesen.
Leise streifte Anna durch den dunklen Burghof. Sie hatte das Gefühl, jeden Stein zu kennen. Wie oft schon hatte sie sich ausgemalt, zu fliehen, diesem verfluchten Ort für immer den Rücken zu kehren, doch stets hatte sie im letzten Moment der Mut verlassen. Wohin sollte sie auch gehen?
Sie passierte den kleinen Durchgang neben dem Seigerturm. Tagsüber hörte sie manchmal die Besucher, die dort im Café saßen, scherzten und sich den Kuchen schmecken ließen. Sie hatte nie verstanden, warum man das Gelände für den Pöbel geöffnet hatte, doch so kam wenigstens etwas Abwechslung in ihre ewig gleichen Tage.
Zumindest in der Nacht war sie ungestört. Nur dem Wächter, der einsam seine Runden drehte, begegnete sie manchmal, doch an seine Präsenz hatte sie sich gewöhnt. Im Gegenteil, sie war ihm sogar dankbar, dass er sie und die Burg bewachte. Vielleicht sollte sie ihm einen Besuch abstatten. Die einfachen Gemüter brauchten ab und an Anerkennung und Ermutigung. Dem Lichtschein nach zu urteilen, hielt sich der gute Mann gerade im Johannisturm auf.

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